Interview mit Klaus Letulé
Klaus Letulé ist Hamburg-Koordinator und Wegwart der norddeutschen Region der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V.“. Er bringt eine langjährig Erfahrung mit dem Pilgern mit. Das Interview mit Klaus Letulé führte für pilgern-hamburg.de Mechthild Klein.
Frage: Herr Letulé wie sind Sie auf das Pilgern gekommen?
Klaus Letulé: Das war ein Zeitungsartikel, in dem ein emeritierter Hauptpastor von St. Katharinen über seinen 750 Kilometer langen Jakobsweg in Spanien berichtete.

Klaus Letulé - Foto: Mechthild KleinFrage: Was suchen Menschen im Pilgern?
Ich suche die totale Ablenkung vom Alltag. Andere Menschen suchen Abstand von Problemen familiärer, beruflicher oder gesundheitlicher Art zu gewinnen.
Frage: Was bedeutet Pilgern für Sie?
Das Fundament ist für mich das Laufen, draußen sein. Die Unsicherheit am Beginn – ich weiß nicht, wo ich abends schlafe. Beim Laufen kommen mir oft Erinnerungen hoch, an verpasste Chancen, aber auch über glückliche Fügungen. Und ich erlebe Natur mit allen Sinnen. Ob stundenlanger Regen oder erbarmungslose Hitze – jedes Wetter lernt man anzunehmen.
Frage: Interessieren Sie auch Baudenkmale unterwegs?
Ja, gerade in Norddeutschland begeistert mich die Backsteingotik. Zum Beispiel in Lübeck oder Greifswald die Marienkirchen. Da kann man die Gedanken in die Geschichte vergangener Pilgergenerationen schweifen lassen. Das Schöne: als Pilger habe ich Zeit und kann jederzeit anhalten - natürlich auch, um in eine alte kleine Feldsteinkirche zu treten, auszuruhen und zu beten.
Frage: Haben Sie besondere Erfahrungen gemacht?
Als Pilger bin ich abhängig von Mitmenschen. Nicht nur etwa bei Fragen nach Weg und Unterkunft. Einmal kam Hilfe von zwei Pilgern, die mir auf dem Weg in Frankreich folgten - und meine einzige Jacke hinterher trugen! Sie war mir vom Rucksack gefallen vier Kilometer zuvor! Auch ich trug einmal einem jungen Pilger in Spanien seinen Hut nach. Pilgern ist ein Geben und Nehmen.
Frage: Was ist das Anliegen der Jakobusgesellschaft?
Hilfe für spanische Herbergen etwa – wir stellen freiwillige Helfer und Küchengeräte zur Verfügung. Beratung von Pilgern. Ausstellung von Pilgerpässen. Die Jakobusgesellschaft gibt auch wissenschaftliche Bücher über den Jakobuskult heraus.
Frage: Sie haben den Pilgerweg für Jakobspilger von Lübeck bis Wedel mit dem Muschelsymbol markiert – wie lange dauerte die Aktion?
Das war ein halbes Jahr Arbeit. Ich musste ein Dutzend Genehmigungen von den Ämtern einholen für die Markierung für die Plaketten und Aufkleber. In Lübeck durften wir beispielsweise nur Laternenmasten bekleben. Für die Waldwege brauchte ich auch die Zusage der Förster. Die meisten Beamten ließen sich von der guten Sache überzeugen, es ist doch schließlich ein Weg der Völker verbindet.
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